– Mit Strategien, Kapazitätsaufbau und verantwortlichen Einkaufspraktiken
Ein existenzsichernder Lohn ist ein grundlegendes Menschenrecht und verringert das Risiko anderer schwerwiegender Verstöße gegen Arbeitsrechte wie Kinderarbeit oder übermäßige Überstunden. Dennoch bleibt es eines der größten Risiken in der globalen Textil- und Bekleidungsindustrie. Durch die Förderung von Vereinigungsfreiheit, von Tarifverhandlungen und des sozialen Dialogs, können die Rahmenbedingungen verbessert werden. Gleichzeitig haben Einkaufspraktiken von Unternehmen großen Einfluss darauf, ob Zulieferbetriebe in der Lage sind, höhere Löhne zu zahlen.
Mit den Bündnisinitiativen Learning & Implementation Community (LIC) und Living Wage Lab 2.0 haben Mitglieder des Bündnisses in den vergangenen Jahren wichtige Beiträge zu diesem Fokusthema geleistet und konkrete Ansätze entwickelt, um Einkaufspraktiken entlang der Lieferkette zu verbessern und Unternehmensstrategien zu existenzsichernden Löhnen auszubauen. Nach ihrem erfolgreichen Abschluss zeigen die Ergebnisse, wie Unternehmen, Zulieferer und Arbeitnehmendenvertreter*innen gemeinsam an Lösungen arbeiten können.
Das Textilbündnis und seine Mitglieder folgen bei der Gestaltung ihrer Einkaufspraktiken dem Common Framework for Responsible Purchasing Practices (CFRPP). Das Framework definiert anhand von fünf Prinzipien verantwortungsvolle Einkaufspraktiken und beschreibt konkrete Praktiken, die eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen einkaufenden Unternehmen und Produzenten fördern. Ziel ist es, strukturelle Voraussetzungen zu schaffen, damit Zulieferbetriebe existenzsichernde Löhne zahlen können.
Zur Analyse bestehender Lohnlücken empfiehlt das Textilbündnis seinen Mitgliedern die Nutzung der Liste mit Referenzwerten für existenzsichernde Löhne, die sich an den ILO “Conclusions on wage policies, including living wages” und der Fair Wear Foundation orientiert. Auf dieser Basis können Unternehmen die Differenz zwischen gezahlten Löhnen und Referenzwerten für existenzsichernde Löhne ermitteln und gemeinsam mit dem Produzenten entsprechende Maßnahmen entwickeln, um Lohnlücken sukzessive zu schließen.
Bündnisinitiative: Learning & Implementation Community (LIC)
Die Learning & Implementation Community (LIC) konzentrierte sich auf die praktische Umsetzung der Prinzipien des CFRPP. Ziel war es, Einkaufsprozesse so anzupassen, dass sich Arbeitsbedingungen in Produktionsländern langfristig verbessern. Die Community wurde vom Textilbündnis gemeinsam mit mehreren Organisationen aus dem Sektor ins Leben gerufen: der Ethical Trading Initiative, Ethical Trade Norway, Fair Wear und Solidaridad.
Gemeinsames Lernen und Umsetzung
Über einen Zeitraum von zwei Jahren arbeiteten sechs Unternehmen aus dem Textilbündnis und dem Grünen Knopf gemeinsam mit ihren Zuflieferern daran, die Prinzipien des CFRPP in ihre Unternehmensprozesse zu integrieren. Die Initiative war bewusst nicht als klassisches Umsetzungsprojekt mit Projektbudget angelegt, sondern als Lern- und Austauschplattform.
Im Rahmen der Community:
- Entwickelten die Unternehmen auf Basis des Lernangebots der LIC individuelle Maßnahmenpläne zur Verbesserung ihrer Einkaufspraktiken,
- setzten erste Anpassungen in ihren Prozessen um und
- tauschten sich in regelmäßigen Peer-Learning-Formaten zu Erfahrungen und Best-Practice-Beispielen aus.
Bündnisinitiative: Living Wage Lab 2.0
Das Living Wage Lab 2.0 baute auf dem Vorgängerprojekt auf und hatte zum Ziel, konkrete Strategien zu existenzsichernden Löhnen zu entwickeln sowie Maßnahmen zu identifizieren und umzusetzen, die zur Reduktion bestehender Lohnlücken beitragen können. Die BI fokussierte sich einerseits auf die Zusammenarbeit mit Produzenten und die Förderung von sozialem Dialog in drei Umsetzungsländern, und andererseits auf die Entwicklung unternehmens-individueller Strategien zu existenzsichernden Löhnen.
Zentrale Kennzahlen der Initiative
10 beteiligte Brands
5 beteiligte Zulieferbetriebe
275 fortgebildete Mitarbeitende (davon 58 weiblich)
5 geförderte lokale Betriebe
9 Stakeholder-Dialoge (Buyer-Supplier- und Multi-Stakeholder-Dialoge)
Über Informationskampagne 44.700 Arbeiter*innen
Gesamtbudget: 270.520 Euro (davon 93.664 Euro private Mittel)
Entwicklung von Living-Wage Strategien
Im Modul 1 des Labs entwickelten die beteiligten Unternehmen individuelle Strategien zu existenzsichernden Löhnen. In regelmäßigen Austauschformaten diskutierten sie Erfahrungen und Best Practices. Daraus entstanden konkrete Maßnahmenpläne, um das Thema Living Wages stärker in Unternehmensprozesse zu integrieren.
Schulungen und Dialogformate in Produktionsländern
Um gezielte Maßnahmen zu ergreifen, wurde im Modul 2 zunächst eine Fallstudie zur Lohnsituation in fünf Fabriken in den drei Umsetzungsländern durchgeführt. Auf Grundlage der Ergebnisse wurden in vier Fabriken in Bangladesch, Indien und Pakistan entsprechende Programme umgesetzt und über 230 Mitarbeitende zu Arbeitsrechten, sozialem Dialog und existenzsichernden Löhnen geschult.
Ergänzend dazu fanden neun Buyer-Supplier- und Multi-Stakeholder-Dialoge mit insgesamt 142 Teilnehmenden statt. In diesen Dialogen wurden zentrale Herausforderungen in den Produktionsländern (Bangladesch, Indien und Pakistan) identifiziert, unter anderem rechtliche Lücken bei der Umsetzung von Mindestlöhnen und nicht nachhaltige Einkaufspraktiken entlang der Lieferkette.
Die Initiative hat wichtige Erkenntnisse darüber geliefert, welche strukturellen Faktoren die Zahlung existenzsichernder Löhne beeinflussen und wie einkaufende Unternehmen über ihre Einkaufspraktiken und die Stärkung der Arbeitnehmendenvertretungen/ Rechteinhaber*innen zu einem förderlichen und begünstigenden Umfeld für höhere Löhne beitragen können.
Impulse für den Sektor
Die Ergebnisse beider Initiativen zeigen, wie wichtig Zusammenarbeit entlang der Lieferkette ist, um Fortschritte bei verantwortungsvollen Einkaufspraktiken und existenzsichernden Löhnen zu erreichen.
Während die Learning & Implementation Community die praktische Umsetzung verantwortungsvoller Einkaufspraktiken auf Unternehmensebene förderte, unterstützte das Living Wage Lab Unternehmen bei der Entwicklung konkreter Strategien stärkte den Dialog zwischen Unternehmen, Zulieferern und Arbeitnehmendenvertretungen in Produktionsländern und setzte gezielt Schulung um.
Damit liefern beide Initiativen wichtige Impulse für Unternehmen im Bündnis und darüber hinaus, um verantwortungsvolle Einkaufspraktiken und existenzsichernde Löhne langfristig in der Textilindustrie zu verankern.
Mehr Informationen zu der Bündnisinitiative:
Learning & Implementation Community (LIC)
Mehr Informationen zu der Bündnisinitiative:
Living Wage Lab 2.0