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14.09.26

Bündnisinitiative Organic Cotton – Ein Rückblick 

Bündnisinitiative Organic Cotton - Ein Rückblick

Die Bündnisinitiative entstand aus einer strategischen Zusammenarbeit zwischen dem Bündnis für nachhaltige Textilien (BNT; heute Dialogue and Impact for Sustainable Textiles – DST), dem GIZ-Globalvorhaben Nachhaltigkeit und Wertschöpfung in Agrarlieferketten und dem Organic Cotton Accelerator (OCA) und wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziell unterstützt. Die Initiative lief von 2021 bis 2025 und wurde ins Leben gerufen, um Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Indien beim Übergang vom konventionellen zum ökologischen Baumwollanbau zu unterstützen und gleichzeitig den Marktzugang zu verbessern, das Bewusstsein für menschenwürdige Arbeitsbedingungen zu stärken sowie transparentere und wirtschaftlich tragfähige Lieferketten aufzubauen. 

Den Übergang zu Bio-Baumwolle ermöglichen

Baumwolle ist gemessen am Volumen die zweitwichtigste Faser weltweit (Textile Exchange 2025), wobei der Großteil davon in Indien, China, den USA, Brasilien und Pakistan produziert wird. Der konventionelle Baumwollanbau birgt zahlreiche Probleme und Risiken sowohl für die Umwelt als auch für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Dazu zählen beispielsweise Bodenerosion sowie der Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut und synthetischen Pestiziden. Darüber hinaus ist die Gesundheit der Arbeiterinnen und Arbeiter durch den direkten Kontakt mit Schadstoffen gefährdet, da es an Arbeitsschutzmaßnahmen und Aufklärung mangelt. Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, die auf ökologischen Anbau umstellen, sehen sich während der Übergangsphase oft mit erheblichen Hindernissen konfrontiert, darunter geringere Erträge, steigende Produktionskosten und der daraus resultierende Druck auf das Einkommen, Preisschwankungen, eingeschränkter Zugang zu gentechnikfreiem Saatgut und agronomischer Unterstützung sowie die Kosten und Risiken, die mit Zertifizierungen und der Integration menschenwürdiger Arbeitsbedingungen verbunden sind. Die Bündnisinitiative ging diese Hindernisse durch eine Kombination aus Unterstützung auf Betriebsebene, Koordination der Lieferkette und Marktanbindung an. 

Im Mittelpunkt der Umsetzung stand die Stärkung der Fähigkeiten der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, den Übergang zur ökologischen Produktion zu bewältigen. Im Laufe von drei Baumwollsaisons schlossen sich 11.500 konventionelle Baumwollbäuerinnen und -bauern dem Programm an. Die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern erhielten Schulungen zu ökologischem Landbau, zur Bodengesundheit, zum Einsatz biologischer Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, zum angemessenen Einsatz von Saatgut sowie zur allgemeinen Management. Demonstrationsflächen, Exkursionen und praktische Lerneinheiten ergänzten die Schulungen. Die Umsetzungspartner unterstützten außerdem beim Zugang zu gentechnikfreiem Saatgut und Düngemitteln sowie bei der Zertifizierung nach NPOP und, sofern zutreffend, NOP 

Neben der agronomischen Unterstützung wurde die menschenwürdige  Arbeitsbedingungen als fester Bestandteil in das Projekt integriert. Für die Umsetzungspartnerinnen und -partner wurde ein Schulungsprogramm entwickelt und im Rahmen von Train-the-Trainer-Workshops erprobt. Die Inhalte umfassten unter anderem Arbeitsrecht, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Arbeitsbedingungen sowie die Sensibilisierung für geschlechtsspezifische Fragen in der Baumwollproduktion in Indien. 

Schaffung einer wirtschaftlichen Grundlagen für Bio-Baumwolle  

Das Projekt zielte nicht nur darauf ab, Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zu schulen, sondern auch durch Prämienzahlungen und Abnahmevereinbarungen die wirtschaftlichen Grundlagen für die erfolgreiche Umstellung zu Bio-Anbau zu schaffen. OCA übernahm eine koordinierende Rolle bei der Vernetzung von Umsetzungspartnerinnen und – partner, Produzentenorganisationen und teilnehmenden Brands und unterstütze bei der Beschaffung von Rohbaumwolle direkt vom Baumwollproduzentinnen und –produzenten und der Verteilung und Verifizierung von Prämienzahlungen. Bis zur Baumwollsaison 2024–2025 hatten 7.758 teilnehmende Kleinbäuerinnen und Kleinbauern auf zertifizierte Bio-Baumwolle umgestellt. In den drei Projektjahren wurden 20.788 Tonnen Rohbaumwolle beschafft, und zwischen 2023 und 2025 wurden Prämienzahlungen in Höhe von 637.952 € ausgeschüttet. Die Daten zeigten, dass 86 % der im Laufe des Projekts befragten Kleinbäuerinnen und Kleinbauern Schulungen von den Umsetzungspartnerinnen und -partnern erhalten hatten. Diese Schulungen, kombiniert mit Praxisbeispielen und –besuchen, unterstützten die Kleinbauern und -bäuerinnen bei der Einführung regenerativer und biodiversitätsfreundlicher Praktiken. Dazu gehörten reduzierte Bodenbearbeitung, Agroforstwirtschaft, integrierter Pflanzenschutz, Boden- und Wasserschutz sowie Anbaudiversifizierung. Kleinbäuerinnen und Kleinbauern nahmen Praktiken eher an, wenn diese mit sichtbaren agronomischen und wirtschaftlichen Vorteilen verbunden waren. 

Treibende Faktoren für die Umstellung und Kostenentwicklung

Prämienzahlungen, die Gesundheit der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern und die von den Umsetzungspartnerinnen und -partnern bereitgestellten Unterstützungsleistungen waren die wichtigsten Motivationsfaktoren für die Umstellung der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern auf den ökologischen Baumwollanbau. Vorteile für die Umwelt wurden von den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zwar anerkannt, aber im Vergleich zu wirtschaftlichen Anreizen und der direkten Unterstützung allgemein als sekundäre Motivationen angegeben. Daten aus der Saison 2024–25 zeigten, dass gesunkene Produktionskosten zu einem relevanteren Faktor geworden waren, der die Entscheidung der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern für den Umstieg auf ökologischen Anbau maßgeblich beeinflusste. 

Was die Umstellung erfolgreich macht

Der Vergleich zwischen durch die Bündnisinitaitive unterstützten und nicht unterstützten Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zeigte, dass unterstützte Kleinbäuerinnen und Kleinbauern durch eine Kombination aus Zugang zu Prämien, Marktanbindung und einem umfassenden Unterstützungssystem eine stärkere wirtschaftliche Leistung aufrechterhalten konnten, dabei wurde insbesondere die Bedeutung zuverlässiger Marktverknüpfungen hervorgehoben. 

Die Bündnisinitiative Organic Cotton ist ein Beispiel dafür, wie Unterstützung, Zertifizierung, Beschaffungsmechanismen und Zusammenarbeit entlang der gesamten Lieferkette kombiniert werden können, um den Ausbau der Bio-Baumwollproduktion zu fördern und gleichzeitig sowohl agronomische als auch wirtschaftliche Hindernisse zu beseitigen, mit denen Kleinbauern konfrontiert sind. 

Während der gesamten dreijährigen Projektlaufzeit wurde die Bündnisinitiative von den folgenden Mitgliedern des BNT unterstützt: Brands Fashion GmbH, C&A Mode GmbH & Co. KG, Fairtrade Deutschland e.V., Formesse GmbH & Co. KG, Global Standard gemeinnützige GmbH (GOTS), H&M Group, SÜDWIND Institut, s.Oliver Group, Tchibo GmbH. 

Name
Bündnisinitiative Organic Cotton in India
Laufzeit
09/2021 – 12/2025
Projektregion
Indien (Madhya Pradesh, Rajasthan, Odisha and Gujarat)
Zielgruppe
10.517 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, die Baumwolle anbauen (2. Jahr); 11.363 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern im 1. Jahr
Ziele
Das übergeordnete Ziel der Bündnisinitiative bestand darin, eine faire, umweltfreundliche und wirtschaftlich tragfähige Lieferkette für Bio-Baumwolle aufzubauen, indem drei Ziele verfolgt wurden: – Schaffung greifbarer Vorteile für Bio-Baumwollbäuerinnen und -bauern sowie diejenigen, die auf den ökologische Landwirtschaft umstellen, um deren Wirtschaftlichkeit zu stärken und die richtigen Voraussetzungen für die Lieferung von Bio-Baumwolle an Großabnehmer (ca. 10.500 Kleinbäuerinnen und Klenbauern) zu schaffen – Den Zugang zu Bio-Baumwolle und Baumwolle aus Umstellungsbetrieben für BNT-Mitglieder auf Betriebsebene zu erleichtern und deren nachhaltige und langfristige Nachfrage sicherstellen – Die Menge an verfügbarer Bio-Baumwolle auf dem weltweiten Markt zu erhöhen
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Das Textilbündnis ist transformiert

Das bisherige Bündnis für nachhaltige Textilien (BNT) ist nun offiziell das “Dialogue and Impact for Sustainable Textiles“. Das Multi-Stakeholder Netzwerk verbindet engagierte internationale, europäische und lokale Stakeholder noch enger, um eine sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltige Textil- und Bekleidungsbranche zu fördern. Im Fokus stehen praxisnaher Austausch, Wissenstransfer, Entwicklung von Initiativen sowie die Einbindung lokaler Akteure.  
 
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